Was mich beschäftigt…

Färbung mit Krappwurzeln

Ist ökologisches Färben und Drucken möglich?

Nach vielen Experimenten mit den faszinierenden Möglichkeiten der Gestaltung mit Mixed Media Techniken und der wunderbaren Welt des Färbens mit den sogenannten Säure- und Reaktivfarbstoffen sowie des Druckens mit Farbpasten auf Kunststoffbasis, verfolge ich immer stärker den ökologischen Aspekt der textilen Gestaltung, wie zum Beispiel das Färben und Drucken mit Pflanzenfarben.

Wobei sich rasch die Frage stellt: was bedeutet ökologisch korrekt zu färben, zu drucken, zu gestalten?

Es beginnt bei den Stoffen: Will ich Seide verwenden, auf der die Farben so wunderbar satt glänzen? Die aber  als tierisches Produkt aus den feinsten Fäden der Kokons gewonnen ist, in die sich die  Seidenspinner einspinnen um darin ihre Transformation zum Schmetterling zu erwarten. Doch dazu kann es nicht kommen, denn für die Produktion feinster Maulbeerseide müssen die Tiere sterben, bevor sie den Kokon verlassen können. Nur so bleibt der feine Faden unversehrt. Mittlerweile gibt es auch gewaltfreie Seide, die Seidenspinner dürfen überleben.  

Die Transportwege sind weit, auch Biobaumwolle wächst nicht auf den Feldern ums Eck. Auch die Verwendung der feinen Merinowolle ist nicht unproblematisch: sie kommt üblicherweise aus Neuseeland oder Australien, manches Mal aus Südamerika. Die Wolle der einheimischen Schafe ist kratziger. Und bei Leinen- und Hanfstoffen, die noch bzw. wieder in Europa produziert werden, ist es auch immer gut nachzufragen, ob sie denn nicht doch aus China kommen. Was ja vorkommt.

Mein ökologischer Fußabdruck wächst. Und es stellt sich auch die Frage nach fairen Arbeitsbedingungen im Herstellungsprozess,  nach schonendem Umgang mit unseren Ressourcen wie Energie und Wasser. Ein Dschungel von Gütesiegeln tut sich auf, es braucht viel Zeit um einigermaßen Einblick zu erhalten und zu verstehen. Letztlich ist es auch eine Frage meines Geldbeutels in Absprache mit meinem Gewissen, auf die Verwendung welcher Stoffe ich mich mit mir einige. 

Vor dem Färben oder Drucken wollen die Stoffe gewaschen sein, damit sie die Farben besser aufnehmen können. Natürlich mit Waschpulver. 

Zum Drucken mit den üblichen wasserbasierten Farben auf Kunststoffbasis verwende ich seit einiger Zeit nur mehr sogenannte GOTS (Global Organic Textile Standard) zertifizierte Pasten und Farbpigmente. Nach dem Trocknen braucht es wieder Hitze zur Fixierung der Farben. Wer will schon, dass die Farbe aus dem schönen neuen Shirt nach dem ersten Waschen verschwunden ist? 

 

Farbstudien im Siebdruck mit Krapp, Reseda, Cochenille und Lac Dye

Nun habe ich die ersten Druckversuche mit pflanzenbasierten Farbpasten gestartet. Ein aufwendiger Prozess. Und ohne Chemie geht es dabei auch nicht. Denn es braucht Aluminium – und/oder Eisensalze, damit die Farben sich an den Stoff binden. Sie sind am umweltverträglichsten. Schönere Farben erzielt man mit Kupfersalzen , was aber wesentlich schädlicher ist. Die Grundpaste wird aus Guarkernmehl hergestellt, wobei mir bis jetzt die Information fehlt, ob dies aus biologischer Produktion möglich ist. Ich hoffe es, wird Guarkernmehl ja auch  als Zusatzstoff in der Lebensmittelproduktion verwendet. 

Und nun die Farbstoffe: Die Pflanzen aus meinem Färbergarten kann ich nicht verwenden, die eigene Herstellung von Farbstoffextrakten in guter Qualität ist kaum möglich. Zum Färben der Stoffe eignen sie sich, aber das Drucken ist eine andere Sache. So beziehe ich die Extrakte in Pulverform von einem vertrauensvollem Händler. Krapp für die oft ziegelrote Farbe, Reseda für die gelbe. Beides kommt aus Europa. Dann bestelle ich noch Proben von Cochenille und Lac Dye. Wobei wir wieder beim tierischen Produkt sind. Kommt nicht aus Europa. Die Farbrezepte sind Jahrhunderte lang erprobt, seit Jahrhunderten sterben Läuse dafür. Aber die Farben sind toll! Dunkelrot bis lila!

Nach dem Drucken – mit der Konsistenz der Farbpaste für ein gutes Druckergebnis muss ich noch weiter experimentieren – wird die Farbe wieder fixiert. Diesmal mit feuchter Hitze, sprich mindestens eine Stunde im Dampf. Wieder ist viel Energie nötig! 

 

Ergebnis auf Baumwollsatin
.... auf Baumwoll-Seiden Gewebe
... auf Bouretteseide
Stempel- und Schablonendruck
Siebdruck mit 2 Farben

Fazit: Wie zuvor gesagt – ohne Chemie, Energie und Wasser geht beim Färben und Drucken mit Naturfarbstoffen nichts. Viel Zeit muss man mitbringen. Aber es ist ein spannender Prozess, ich werde dran bleiben. Was wirklich Umwelt- und Ressourcen schonender ist?  Im Rahmen meiner kleinen Anwendungen?

Das Drucken mit pflanzenbasierten Farbstoffen erweitert mein Spektrum. Viele weitere Versuche sind für gute Ergebnisse noch nötig. Ich möchte aber auch die Möglichkeiten der anderen Farben nicht missen. Und weiter sehr sorgfältig und ressourcenbewusst mit allen Materialien arbeiten. Ich bin neugierig, wie sich beide Ansätze verbinden lassen. 

In künstlerischen Kontexten und kleinen textil-kunsthandwerklicher Betrieben wird  mit nachwachsenden Farben zum Teil bereits gedruckt. Einige Pionierinnen haben sich dafür stark gemacht. Für die industrielle Druckanwendung gab es bereits Versuche, die leider aber nicht weitergeführt wurden. Das Färben mit Pflanzen ist einfacher. Noch einfacher ist das Färben und Drucken mit den chemisch hergestellten Farben.  

Und doch: ich bewundere alle Menschen, die herausgefunden haben, welche Teile welcher Pflanzen wie färben, die Rezepte erprobt haben und ihr Wissen jahrhundertelang weitergegeben haben. Allein dafür lohnt es sich am Wunder des Färbergartens, des nachwachsenden Rohstoffes Farbe dran zu bleiben: Damit dieses Wissen nicht verloren geht!